Das Siebdruck-Symposium 2012 fand am 15. März in Frankfurt statt. Rund vierzig Teilnehmer informierten sich über die Zukunftsaussichten der Siebdrucktechnologie in einem digitalen Kontext. Darüber hinaus stellte man sich der Fragestellung einer wettbewerbsgerechten Siebdruckvorstufe.
Rudi Röller, KiWo – Kissel & Wolf GmbH, stellte fest, dass das Siebdruck-Verfahren zunehmend unter Druck durch Großformatdigitaldruck und Großformat-Offsetdruck gerät. Zudem bereiten neue Medien der Druckbranche zunehmend Probleme. Auch in der Außenwerbung werde zunehmend auf digitale Anzeigen gesetzt. Dennoch stecke im Siebdruck ein enormes Potenzial, welches – gerade im funktionalen Siebdruck – auch noch ausbaufähig sei. Die aktuelle Herausforderung im Siebdruck sei es, neue Nischen und Anwendungsfelder zu erschließen.
Jürgen Weischedel, THIEME GmbH & Co. KG, stellte ebenfalls fest, dass der Siebdruckmarkt sich im Umbruch befände. Große Dienstleister setzen heute auf Mehrfarbenlinien mit hoher Automation, auch im Bereich Vorstufe, andere graphische Druckbetriebe setzen auf Nischenanwendungen, wie Spezialisierung, Veredelungen oder technischen Siebdruck. Ansonsten fände sich ein großes Volumen im industriellen Siebdruck. Oftmals habe sich in der Praxis aber auch gezeigt, dass der großformatige Digitaldruck auch Zusatzgeschäft für den Großformat-Siebdruck generieren kann.
Hoch standardisierte Prozesse bekommen auch im Siebdruck immer stärkere Bedeutung. Die oftmals sehr arbeitsintensive Schablonenherstellung sei hierbei ein Schlüsselbereich für mögliche Automatisierungsprozesse. Andreas Ferndriger, SignTronic AG, stellte in seinem Vortrag die Vorteile einer hoch automatisierten Siebdruckvorstufe vor. Die „Computer-to“-Technologie böte im Siebdruck die Möglichkeit, eine Verbesserung der Druckqualität, ein höheres Maß an Reproduzierbarkeit, geringere Schablonenherstellungskosten, höhere Flexibilität und schnellere Reaktionszeiten zu verwirklichen. Wichtig sei auch die sinnvolle Einbindung von CtS-Anlagen in den gesamten Betriebs-Workflow, gerade auch was Siebwasch-, Ent- und Beschichtungsanlagen anbelangt.
Den Abschluss der Vortragsveranstaltung bildete ein Vortrag von Chris Rimer, Corporate Commercial Manager der FESPA, zum Thema Nachhaltigkeit im (Sieb-)Druck. Dabei stellte er unter anderem den FESPA PlanetFriendly Guide, ein Umwelthandbuch für Sieb- und Digitaldrucker vor, welches nützliche Tipps und Hinweise für die Praxis liefert und für Mitglieder der Verbände kostenlos auf der FESPA-Webseite zu beziehen ist.
In der abschließenden Diskussionsrunde stellten sich die Referenten den Fragen des Publikums. Alle Referenten vertraten die Auffassung, dass das Verfahren Siebdruck nach wie vor einen hohen Stellenwert habe, dennoch aber – vor allem im dekorativen Bereich – unter starken Konkurrenzdruck zu anderen Druckverfahren geraten ist. Man konstatierte zudem, dass der Siebdruck nach wie vor ein wichtiger Aspekt des Portfolios der Druckbranche sei, man aber pro aktiv mit seinen Vorteilen im Markt „wuchern“ müsse. Gerade im funktionalen Siebdruck sahen die Experten zukünftige Wachstumsbereiche und hier sollten sich alle Marktbeteiligten zur Aufgabe machen, auch in anderen Fertigungsbranchen den Siebdruck als Herstellungstechnik ins Gespräch zu bringen.
Den kommunikativen Höhepunkt der Veranstaltung bildete das Koch-Event im Restaurant „Cooking Ape“, Frankfurt, welches den Teilnehmern zunächst ein erhebliches Maß an „Arbeit“ abverlangte, aber schlussendlich zu einem kulinarischen Hochgenuss führte. Die Veranstaltung ließ viel Raum zum kollegialen Austausch und bildete das Bindeglied zum „Branchentreffen XXL“ am Folgetag des Symposiums.
„Wie bekommt die Branche ihre Preise in den Griff?“ war das Motto des Vormittags am 17. März 2012 in Frankfurt am Main. „Fotolabore hatten früher die Lizenz zum Geld drucken“, erinnert sich Michael Krieger in seinem Vortrag „Wege zur Preisstabilität“ an die Vergangenheit. Mit der Verbreitung der Digitalfotografie in den Jahren 2002 bis 2004 musste das Unternehmen PPS.Imaging den schwierigen Wandel zum Digitaldruckdienstleister meistern. Heute ist Michael Krieger stolz, seinen Kunden alles aus einer Hand bieten zu können. Der Service reicht vom Foliendruck bis zum Stellen von Bauanträgen. Meist haben Kunden bereits schlechte Erfahrungen mit Lieferanten gemacht und sind bereit für einen zuverlässigen und umfangreichen Service zu bezahlen. Von Rabattaktionen zur Kundengewinnung hält Krieger nichts. „Diese Aktionen machen nur die Preise kaputt“, so Krieger und hat einen weiteren Tipp parat: „Der Gewinn liegt im Einkauf“. So wie ihre Kunden, dürfen auch die Digitaldrucker mit ihren Lieferanten über Rabatte sprechen.
Das erfolgreiche Unternehmen Laserline aus Berlin wurde von Christian Luther in seiner Präsentation „Erfolgreich mit Web-to-Print“ vertreten. „Wir wollen nicht zu den sterbenden Druckereien gehören“ definierte er ganz bescheiden als erstes Unternehmensziel. Weitere Ziele von Laserline sind ein gesundes 15-prozentiges Wachstum und stabile Preise. Aktuell hat Laserline ca. 10 Millionen Produktvariationen im vorbildlichen Onlineshop. „Aber davon werden nur ca. 20 % real genutzt“, schränkt Luther ein. Als erster Onlineshop mit Kalkulator ist Laserline seit zehn Jahren im Internet aktiv und vertreibt mittlerweile 95 % seiner Produkte über diese Plattform. An Beispielen verdeutlichte Christian Luther die Herausforderungen bei der automatisierten Rechnungsstellung, im Speziellen die Bonitätsprüfung.
Frei nach dem bekannten Film „Die Feuerzangenbowle“, eröffnete Johannes Woll seinen Vortrag mit den Worten „Ein Geschäftsmodell ist ein Loch, in das man vorne Arbeit hereinsteckt und hinten Geld rauskommt“. In seinem Vortrag „Erfolgreiche Geschäftsmodelle für Druck- und Mediendienstleister“ stellte er heraus, dass die größte Wertschöpfung beim Druckprodukt in der Vorstufe liegt. „Ein guter Service oder hohe Qualität sind keine Geschäftsstrategien“ so Woll. „Entscheidend ist die Frage, was benötigt der Kunde unseres Kunden?“ Dabei teilt Johannes Woll die Anforderungen in die drei Kategorien: Basisanforderungen, Leistungsanforderungen und Begeisterungsanforderungen. Anhand weiterer Beispiele zeigte Woll erfolgreiche Geschäftsmodelle der Branche.
Die abschließende Podiumsdiskussion unter der Leitung von Jörg Allner zeigte, dass die Branche in den vergangenen Jahren keine Preiserhöhungen realisieren konnte und stattdessen versuchen musste, die Preise wenigstens stabil zu halten. Anregungen aus dem Auditorium waren, dass ein Controlling auch für kleine Unternehmen wichtig ist, und der Drucker seine Produkte besser vermarkten muss. „Die Druckereien müssen ihre Produkte vor sich hertragen“ forderte Johannes Woll mit Recht.
Den Nachmittag unter dem Motto „Grün, grün, grün …“ eröffnete Frank Dieckhoff mit der Vorstellung des Klimarechners für den Digitaldruck. Dieses Onlinetool zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks ist Bestandteil eines dreistufigen Modells mit dem Ansatz der CO2-Vermeidung, Berechnung und Kompensation. „Das Modell entspricht allen internationalen Normen und wurde einer unabhängigen Prüfung unterzogen“ so Dieckhoff. Dass die Zertifikate des Partners „First Climate“ dem höchsten „Goldstandard“ entsprechen, ist selbstverständlich. Am Beispiel „Vermeiden ist besser als Kompensieren“ stellt Dieckhoff die Vorteile der Energieberatung heraus. „Denn Energie, die nicht verbraucht wird, belastet auch nicht die Umwelt und muss weder bezahlt noch kompensiert werden“ so Dieckhoff weiter.
„Grün alleine ist zu wenig, das Produkt muss auch funktionieren!“ so begann Karl Ebner seinen Vortrag „Gibt es die grüne Tinte?“. Im weiteren Verlauf zeigte er die diversen Inkjet-Tintentechnologien auf und wies auf zweifelhafte Werbeaussagen hin. „Frei von Chemie“ ist laut Ebner eine ebenso unpräzise Formulierung wie die Bezeichnung „Natürlich“. Auch der Hinweis „FCKW frei“ erübrigt sich, da laut Gesetz alle Produkte diese Eigenschaft aufweisen müssen.
Mit seiner Präsentation „Gefahren im Digitaldruck – der Unternehmer haftet!“ wies Arnold Büscher auf mögliche Quetschungen und Brüche durch freibewegliche Druckköpfe und frei zugängliche Zahnräder hin. Eine besondere Gefahr für den Unternehmer stellen im Ausland erworbene Maschinen und Chemikalien dar, weil der Unternehmer damit zum Importeur wird und der Kennzeichnungspflicht nach EU-Richtlinien nachkommen muss. Generell gilt: Datensicherheitsblätter und Anleitungen müssen auf deutsch vorliegen.
Die abschließende Podiumsdiskussion unter der Leitung von Hermann Will vertiefte das Thema Tinten und Chemie. Fazit: Unternehmer tun gut daran, sich im Zweifelsfall von ihrer Berufsgenossenschaft beraten zu lassen.
Die Themenbereiche „Standardisierung“ und „Umwelt“ werden auch Schwerpunkt der Mitteleuropäischen Konferenz der FESPA am 24. Oktober 2012 in Frankfurt am Main sein.
Abschluss des Branchentreffens XXL bildet der fakultative Besuch des bekannten Varietés „Tigerpalast“ in Frankfurt.
Einige Bilder der Veranstaltung finden sie hier.
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